MTB Freeride

Produkt-Test: Hope Tech V2 Scheibenbremse

Eine Saison lang musste sich die Tech V2 bewähren. Erfahrt wie sich die High Ende Bremse in allen „Lebenslagen“ geschlagen hat.

Eure Bewertung:
Produkt-Test: Hope Tech V2 Scheibenbremse

Ich hatte euch die Tech V2 am beginn der Saison vorgestellt. Nach dem sich die Bremse nun am Freeride Bike und am DH Bike bewähren musste bekommt ihr mein Feedback zu den Edel Stoppern. Wenn euch Hope Tech nichts sagen sollte oder ihr mal hinter die Mauern der Fabrik in Barnoldswick schauen möchtet, seht euch dazu das Video an.
 


Verarbeitung 

Bei dem Preis der Tech V2 darf man einiges erwarten. Das gilt eigentlich für die gesamte Produkt Palette von Hope Tech. Bei der V2 sind sowohl Bremssattel als auch der Hauptbremszylinder aus einen Block Aluminium gefräst. 
Im typischen CNC Look wurde dem Sattel alles überschüssige Material genommen. Schräge Flächen sind wunderbar mit Rillenprofilen abgestuft. Kanten und Ecken fein abgerundet. Betrachtet man jedes Detail der Fräsung, ist uns beim dem Exemplar das uns zur Verfügung gestellt wurde an einem Sattel ein kleiner Fehler in der planen Fläche unterhalb der Befestigungsaussparung und dem Entlüftungsnippel aufgefallen.
Ansonsten sind Elemente, wie etwas die Sicherungsschraube der Beläge, Leitungsstutzen oder die Laser Gravur sehr hochwertig und sehen einfach Klasse aus.



Beim dem Tech Hauptzylinder verhält es sich gleich. Das aus einem Stück gefräste Teil ist auf das nötigste reduziert. In tiefen Profilen einiger Auskerbungen sind auch hier die Fräswellen zu erkennen. Kanten sind abgerundet und Aussparungen präzise. Moderne CNC Maschinen arbeiten in Zehntel bis Hundertstel Millimeter Bereich. 
Der Zylinder mit „Flip Flop“ Design verfügt oben wie unten über eine Abdeckkappe auf der mit Laser Logos eingraviert sind.
Besonders stabil und langlebig sieht der Mechanismus beim Hebel aus. Die stark dimensionierten Buchsen lassen den Hebel fein und ohne jegliches Spiel auf den Kolben drücken. Der Tech Hebel, ebenfalls gefräst und zusätzlich eloxiert bietet die Einstellmöglichkeit der Griffweite, unabhängig vom Druckpunkt, mittels zweier Schrauben.

Die Scheiben, in meinem Fall die schwimmende Scheibe mit Aluspider, sind wesentlich breite als die anderer Hersteller. Damit ist auch klar dass die Beläge und die Kolben der Bremse größer dimensioniert sind. Die Kontaktfläche, welche die Beläge mit der Scheibe haben ist somit groß genug, dass sie einer Bremse mit vier Kolben theoretisch in diesen Belangen in nichts nachsteht. Der Aluspider ist wie die Abdeckkappe des Zylinders, der Hebel und der Deckel am Sattel schwarz eloxiert. 



Funktionalität

Erster Eindruck 

Nach der Montage, auf die ich unter Service genauer eingehe heißt es die Hebel den eigenen Vorlieben entsprechend ausrichten. Im Vergleich zu den meisten anderen Bremsen muss man den Bremszylinder relativ weit innen am Lenker montieren, da dessen Bauart in Verbindung mit dem Hebel lang ausfallen.
Bei Korrekter Montage, fühlt sich der Druckpunkt fest an. Es verhält sich jedoch so, dass er nicht zu abrupt einsetzt. Der Hebel legt minimalen Weg zurück bevor ein großer Widerstand zu spüren ist. Dies dürfte der Dosierbarkeit zu gute kommen. Nach dem man den Druckpunkt erreicht hat lässt sich der Tech Hebel noch ein wenig nachziehen, was ich sehr angenehme finde. 
Der Hebel fühlt sich angenehm im Finger an. Die „Löcher“ im Griffbereich haben zwar abgerundete Kanten, dennoch würde ich nicht längerer Zeit ohne Handschuhe fahren wollen.
Die Verstellbarkeit des Hebels ist ausgezeichnet, Griffweite sowie Druckpunkt lassen sich in einem hohen Maße anpassen. 
Speziell Fahrer wie ich, die den Druckpunkt gerne nahe am Griff haben werden von der V2 begeistert sein. Er lässt sich sehr weit nach hinten einstellen und wird nicht mit einem mechanischen Endanschlag auf Grund der Bauart des Zylinders beschränkt. 


Performance 

Ich fuhr die Bremse mit den großen Scheiben jeweils auf Bikes mit viel Federweg, bei denen man eine gute Bremsperformance braucht. 

Vom Stand weg hat man mit der Tech V2 eine Bremse die einen nicht im Stich lässt. 
Auf High Speed Strecken verzögert die V2 schnell genug, sodass man die Bremspunkte sehr spät ansetzten kann, sofern der Reifengrip und das Fahrwerk mitmacht. Dies ist für den DH Race Einsatz von Vorteil.
Dennoch lässt sich die Bremse so dosieren, dass man nicht sofort bei einem etwas zu harschen Zug am Hebel sofort einen „Steher“ hat.
Auf technischen, steilen Strecken im mittleren Geschwindigkeitsbereich, auf denen man relativ viel Bremsen muss, besteht die Tech V2 mit Bravour.
Ein Herausforderung für jede Bremse sind Trails die führ sehr lange Zeit steil in der Falllinie verlaufen. In solchen Situationen kann man die Bremse sehr selten wirklich öffnen, viele Bremsen neigen dabei zum Überhitzen. Bis jetzt hab ich noch keine Bremse gefahren die davon ganz unbeeindruckt ist.
Bei der Tech V2 ist bei dieser extremen Belastung aber nur eine minimale Veränderung des Druckpunktes wahrzunehmen. Dieser wandert vernachlässigbar vom Lenker weg.

Im DH Marathon Einsatz dieses Jahr beim Cai Dom in Brixen etwa entschied ich mich für das Freeride Bike, an welchem ich die Tech V2 montiert hatte. An den Trainingstagen waren die Bedingungen trocken und schnell, ich kam mit der Bremse bei langen Trainingsturns gut zurecht. Am Abend vor dem Renn Tag schüttete es aus Kübeln und die Bedingungen waren ganz andere. 
Auf Grund dieser konnte man es im Matsch nicht so sehr laufen lassen. Durch dieses „mehr“ an Bremsen und auch dadurch dass teilweise Matsch die Bremssättel bedeckte stellte ich fest, dass der Druckpunkt der Bremse merklich nach vom Lenker weg wanderte und ich so mehr Kraft zum Bremsen aufwenden musste. 
Der Grund dafür ist meines Erachtens nach, die Isoliereigenschaft von Matsch der den Bremssattel bedeckt, und daher verhindert, dass sich dieser anständig kühlen kann. Dieses Problem tritt nicht speziell bei einer Bremse auf, sondern ist generell ein Einflussfaktor, je nach Bremse aber etwas mehr oder weniger.
Zur Behebung dieses „Problems“ war aber lediglich  Verstellung des Druckpunktes mittels des dafür zuständigen Schraubrädchens notwendig. Das konnte ich während der Fahrt in einem kurzen flach/uphill Stück erledigen.



Um die Bremse standesgemäß für DH Einsätze zu testen, wanderte die Tech V2 an ein Commencal Supreme DH V3. Die Strecken dafür sollten die DH und FR Strecken in Maribor (Slowenien) sein. 
Nachdem dieses Jahr dort kein WC stattfand und man in den Bau neuer Strecken investierte, war der „Race Track“ in ausgesprochen schlechtem Zustand. Wenige Fahrten reichten mir um zu sehen, dass zumindest die Tech V2 auch vom gröbsten Gelände und hohen Geschwindigkeiten ihre Performance hält. Nach zahlreichen Abfahrten im Park auf der Pohorje war am Ende des Tage nicht die Bremse die limitierende Größe. Die Tech V2 bleibt standhaft bis zum Schluss.

Service

Belagwechsel:

Bis jetzt hatten uns die organischen Beläge die ab Werk montiert waren für unsere Einsätze gereicht. Sie sind auch durch ihre Größe lange haltbar und verschleißen nicht so schnell wie Beläge mit kleinerer Oberfläche.
Der Belagwechsel funktioniert bei der Tech V2 sehr einfach und unkompliziert.
Man entfernt die den Sicherungssplint und schraubt die Halterungsschraube heraus. Nun können die Beläge auch bei montiertem Laufrad von oben entnommen werden.

Schnellverfahren
Wenn man es sehr eilig hat, die Kolben am Besten mit einem Plastik Reifenheber zurückdrücken und die neuen Beläge einsetzen. Schraube und wenn vorhanden den Splint montieren, ein paar Züge am Hebel und die Kolben sollten sich wieder halbwegs richtig ausgerichtet haben. Fertig

Korrektes Setup
Für die beste Performance empfehlen wir dieses Verfahren. 
Nach dem man die Beläge entnommen hat ebenfalls die Kolben soweit wie möglich nach hinten drücken. Darauf kontrolliert ihr ob die Scheibe auch mittig und gerade durch die Aussparung im Bremssattel läuft. Dazu hat die Tech V2 eine Indikator Einfräsung. Danach platziert ihr die neuen Beläge, montiert die Halterungsschraube und den Sicherungssplint. Zieh am Bremshebel, bis ihr wieder einen Druckpunkt spürt. Anschließend seht euch an, ob ein Kolben die Bremsscheibe etwas zur Seite drückt oder ob die beiden Kolben zeitgleicht die Scheibe komprimieren. Ist letzteres der Fall dann ist alles ok. Wird die Scheibe zur Seite gedrückt, entsteht dadurch ein weicher Druckpunkt. Um dies zu beheben drückt ihr mit einem geeigneten Werkzeug den gegenüberliegenden Belag samt Scheibe gegen den Anderen um den einen Kolben zu ermöglichen sich weiter nach vorne zu positionieren und den anderen zurückdrüken oder in Position zu halten. Drückt dabei immer auf die Rückplatte des gegenüberliegenden Belages und nie auf den Belag selbst.


Leitungsverlegung:

Die Hope Tech V2 wird ab Werk mit einer Stahlflexleitung ausgeliefert. Je nach Zug Führung an eurem Bike kann es natürlich sein, dass die Leitungen etwas zu lang sein werden. Solltet ihr die Leitung kürzen müssen, achtet darauf, dass ihr im Anschluss die Bremse richtig entlüftet. Zum Abschneiden der Leitung ist eine schneidige Bowden Zwick Zange nötig die es mit der Stahlflexleitung aufnehmen kann.
Am Supreme DH V3 habe ich die Leitung in den Rahmen verlegt, dabei habe ich die Leitung vom Bremssattel geschraubt und auch sämtliche Aufsätze entfernt damit die Leitung durch die dafür vorgesehenen Löcher passt. Um ein anschließendes  Entlüften kommt man nicht herum. Dies ist einiges an Aufwand, dafür bekommt man aber eine sehr cleane Optik beim Bike. 


Entlüften:

Das Entlüften funktioniert bei der Tech V2 ähnlich wie bei Bremsen mit Mineralöl, wobei Hope DOT Bremsflüssigkeit verwendet.
Was braucht ihr alles an Werkzeug, prinzipiell einen 10er Torx für die Schrauben am Top Cap, einen 8er Maulschlüssel für den Entlüftungsnippel am Bremssattel, einen Entlüftungsschlauch mit Auffangbehälter und Wegwerftücher. Verwendet zum Entlüften alte Bremsbeläge oder einen „Bleedblock“ der die Kolben auf Distanz hält. Öffnet die Schrauben am Top Cap und nehmt es ab, entfernt vorsichtig das „Dichtdiaphragma“.
Steckt den Entlüftungsschlauch an den Nippel und bereitet den Maulschlüssel vor. So, nun zieh am Bremshebel und öffnet dabei den Dichtnippel mit dem Schlüssel. Bevor ihr den Hebel wieder loslasst schließt den Nippel. Wiederholt dies so lange bis keine Luftbläschen im Schlauch zu sehen sind. Achtet dabei immer darauf Bremsflüssigkeit nachzufüllen, ansonsten zieht ihr wieder Luft ins System. Wenn das fertig ist füllt den Zylinder mit Flüssigkeit auf, rollt das Diaphragma drüber schraubt das Top Cap drauf. Jetzt seid ihr fast fertig. Auf Grund der Posiotion des Ansaugloches im Hauptzylinder ist es nun notwendig die Bremse so an den Lenker zu schrauben, dass der Hebel senkrecht nach unten zu betätigen ist. Zieht ein paar mal am Hebel. Dadurch berfördert ihr endgültig alle eventuell verbleibenden Luftbläschen aus der Leitung in den Zylinder. Schraubt das Top Cap wieder runter füllt noch Mal Bremsflüssigkeit nach und achtet nun darauf dass der Zylinder jetzt bis zum Rand voll ist. „Rollt“ das Dichtdiaphragma drauf. Es macht nichts wenn hier ein wenig Flüssigkeit hervorquillt. Montiert das Top Cap, wischt die Bremse mit den Tüchern ab und fertig seid ihr. 
Dieses Verfahren nimmt etwas mehr Zeit und Handgriffe in Anspruch als das mit einer Entlüftungsspritze. Das Resultat ist bei richtiger Abfolge gleich gut.

Vervolgt hier das Video dazu



Sämtliche Service Videos von Hope Tech findet ihr hier
Die Seite für Deutschland, hier.

Resumeé

Für das Geld, das man für eine Hope Tech V2 hinlegt bekommt man aber einiges. Die V2 ist eine Wahnsinnsbremse die Performance auf höchstem Niveau beschert.
Die Optik ist im Vergleich zu Massenware ein Abgrenzungsmerkmal, auch weil die Herstellung anders wie bei günstigen Bremsen sehr aufwendig und kostenintensiv ist. 
Für Freeride und DH Einsätze eine Top Bremse, die Standfestigkeit auf langen Abfahrten und ausreichend Aggressivität freuen auch die Racer unter uns. 
Wenn man bei der Hope Abstriche machen möchte, kann man diese nur beim Gewicht machen. Sie gehört keinesfalls zu den Leichtgewichten am Markt. Einen Großteil machen die bei der Hope die Scheiben aus, die anders als bei der Konkurrenz sehr viel breiter sind. Im Vergleicht mit einer der leichtesten DH Bremsen ist die Hope Tech V2 ca. 120 g schwerer.
Für leichte Enduro Bikes ist die Tech V2 also nicht die erste Wahl. 
In Sachen Haltbarkeit gibt’s Bestnoten, nach einer Saison funktioniert alles wie am ersten Tag. Sämtliche Einstellknöpfe drehen sich leicht. Ich habe noch keine kaputten Gewinde bei Schrauben oder zerstörte Torx oder Imbuss Einsätze gefunden. 
Die Hebel gleiten leicht und ohne Spiel über die groß dimensionierten Lager. 
Wenn euch der Preis der Hope nicht abschreckt, da ein Top Modell von anderen Herstellern vergleichbare Preise hat, würde ich euch auf jeden Fall die Hope ans Herz legen, denn ihr wisst ja, die „Hoffnung stirbt zuletzt“! 

Das Set Tech V2 der Tech Hebel Einstellrädchen für Griffweite und Druckpunkt Der Bremssattel der VeSchwimmende Scheibe mit Alu Spider der Aluspider ist schwarz eloxiert Die Hinterbremse mit 203er Scheibe am DH BikDas Cockpit mit der Hope Tech V2 die tech V2 am Freeride Bike im Renneinsatz beim CAIDOM
Erzrider
sieht schon mal super aus !! was kostet das teil eigentlich ?
Alex Ganster
Hi Erzrider,

Dei UVP bewegen sich im Bereich um die 250€ pro Bremse. Weitere Infos gibt's in der Produkt-Vorstellung:

http://www.mtbfreeride.tv/bikes-and-parts/artikel/1576/produkt-vorstellu...

Grüße alex
Erzrider
servus Alex

Danke für die Info.
Übrigens hast du schon die Freeridecamp Termine 2012 fertig ?

Gruß erzrider
Alex Ganster
Sorry Männer, Dauert noch ein wenig!

Hoffe auf eure Geduld!

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