
Die schnellste Downhillfahrerin Deutschlands hat mir einige Fragen exklusiv für MTB-Freeride.TV beantwortet.
Sie ist eine Ikone der deutschen Downhill Szene und mit ihrer blonden Mähne und frohen Natur auf keinem Rennen zu übersehen. 2009 holte sie erneut den Titel der Deutschen Meisterin im Downhill, und das bereits zum 7. Mal in Folge. Außerdem ist sie die erste Frau, die für den Action Sports Award zum Mountainbiker des Jahres 2009 nominiert wurde. Und ans Aufhören ist für sie noch lange nicht zu denken. Die Rede ist natürlich von Antje Kramer. Wie alles angefangen hat, ob sie sich in der Männerdomäne wohlfühlt, was sie nach schlimmen Verletzungen wieder aufs Bike treibt und wie ihre Pläne für die kommende Saison sind erfahrt ihr hier, denn sie hat sich für Euch hingesetzt und mir viele interessante Fragen beantwortet:
Damit wir vorab ein bisschen von dir erfahren - wie bist du zum Downhill gekommen?
Angefangen hat es damit, dass ich auch zu Hause in der freien Natur Sport treiben wollte. Ich habe schon immer sportlich irgend etwas gemacht. Früher mit meinen Eltern Wildwassersport (Kanu fahren) dann im Winter Ski und Snowboard und im Sommer Surfen. Aber das sind alles Sportarten die man überwiegend im Urlaub macht. Was war also mit der restlichen Zeit,außerhalb des Urlaubs?!Da war das Mountainbiken genau das Richtige für mich.Wälder hat man direkt vor der Tür und beim Mountainbiken kann man sich im Wald bewegen. Es war natürlich anstrengend von der Kondition, aber ich konnte diesen Sport bei jedem Wetter, immer und überall betreiben.
Und dann lernte ich die ‚Ruhrpottdownhillszene’ bei einer Bike-Tour kennen. Ein außergewöhnlicher Sport (Downhill fahren), schicke Räder und sehr nette Leute.
Als ich dann Gino Schlifske als Downhillprofi kennen lernte,war ich fasziniert von der Professionalität des Sportes.Wettkämpfe bestreiten, auf die man sich richtig vorbereiten muß, selber an seinen Rädern schrauben können und natürlich dann noch das vielseitige Training (Rennrad fahren, CC fahren, Street fahren, 4X fahren, Downhill fahren, Kraft trainieren). Da war es um mich geschehen. Der Reiz immer wieder was Neues zu lernen trieb und treibt mich auch heute noch an. Denn es geht immer weiter und es gibt noch sooo viele Dinge die ich optimieren kann um mich selbst zu verbessern! Kleine Minifortschritte treiben ein Grinsen auf mein Gesicht...
Du hast schon viele Sportarten ausprobiert und auch aktiv betrieben. Was hat dich beim Downhill so gepackt dass du dein komplettes Leben danach ausrichtest?
Warum ich bike habe ich ja gerade schon beschrieben. Ich treibe sehr gerne Sport. Sich in der freien Natur zu bewegen, zu schwitzen und tolle Landschaften zu sehen ist einfach wunderbar. Meine Beweggründe sind heute die gleichen wie damals...naja, heute liebe ich es Rennen zu fahren, ein Ziel zu haben für das man regelmäßig trainieren muß, viel Reisen zu können, und nicht zuletzt viele neue nette Leute kennen zu lernen.
Wünschst du dir manchmal, du wärest früher auf den Sport gekommen oder kam alles genau zu seiner rechten Zeit?
Nein, es kam alles zu seiner Zeit. Ich glaube früher hätte ich nicht so einen Ergeiz aufbringen können, da hätte mir auch das Geld gefehlt und da waren die Menschen noch gar nicht da, die in mir diese Leidenschaft geweckt haben. Naja, wenn ich natürlich jünger gewesen wäre, daaaaannn hätte ich vielleicht noch viel mehr erreichen können;-) Aber hätte wenn und aber - ich finde es war genau die richtige Zeit...grins...
Nach etlichen schlimmen Verletzungen kannst du es dennoch nicht abwarten wieder aufs Bike zu steigen und gönnst dir kaum eine Pause. Wurdest du von Deinem Umfeld teilweise für total bekloptt gehalten oder eher wieder motiviert damit du dich wieder aufrappelst? Wie kannst du dich selber motivieren?
Nun ja, manchmal bin ich tatsächlich für verrückt gehalten worden. Und manchmal habe ich das auch selbst gedacht;-) . Aber ich habe so viel über meinen Körper gelernt, ich kenne meinen Körper mittlerweile so gut, ich habe gelernt wie wichtig und ausschlaggebend der Wille unseres Geistes ist und wie wichtig die mentale Seite ist. Dies hilft mir im Job sowie im alltäglichem Leben.
Musstest du dir den Respekt der männlichen DH Kollegen hart erkämpfen?
Hmm, eher nein. Man hat mich sehr schnell respektiert. Ich glaube die meisten haben gemerkt, dass ich die Sache sehr ernst nehme, dass ich hart an mir arbeite und dass viel Potenzial in mir steckt. Die Jungs haben mir viel gezeigt und mir gute Tips gegeben. Und irgendwann spürte ich dann den vollen Respekt und das hat mich super stolz gemacht und mich richtig motiviert ihnen zu zeigen, das ihr Glaube an mich Berge bewegen kann.
Dieses Jahr wurdest du bei den Action Sports Awards als erste Frau überhaupt neben Amir Kabbani, Johannes Fischbach, Andi Wittmann und Marcus Klausmann für die Wahl zum Mountainbiker des Jahres nominiert. Wie hast du das erfahren und wie war deine Reaktion?
Die Uli von Oneal hat mich darüber informiert, und Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie stolz ich in dem Moment war als ich das gehört habe. Das ist echt der Wahnsinn, ICH wurde nominiert. Ich fühlte mich soo geehrt, da war/ist mir das Ergebnis eigentlich egal. Noch heute habe ich diesbezüglich ein Grinsen im Gesicht so unglaublich finde ich das.
Außerdem hast du dir jetzt zum 7. Mal in Folge den Titel "Deutsche Meisterin" im Downhill geholt. Gab es einen entscheidenden Augenblick in deiner DH Karriere wo du dir gedacht hast: Alle achtung, jetzt habe ich "es" geschafft? Oder verschiebt sich dieser Punkt immer weiter und treibt dich so endlos voran, noch mehr zu schaffen?
Zweiteres ist der Fall. Deshalb kann und will ich auch noch nicht ans Aufhören denken. Also ich den 7. Titel in Folge erreichte habe ich gleich gedacht: ein 8. Titel wäre ja wohl das absolute Genialste, dann haste es geschafft;-) und wie wäre es eigentlich mit einem 9. und 10.??!! So wie der Marcus Klausmann;-). Tja, so stecke ich meine Ziele. Obwohl ich mir mittlerweile auch vorstellen kann, das mich meine jüngeren Konkurrentinnen so langsam kriegen werden...ABER ich geb ALLES;-)
Was sind deine Pläne und Ziele für die kommende Saison?
Mein größtes Ziel ist es natürlich den 8.Titel zur Deutschen Meisterin zu erlangen. Dann möchte ich noch alle deutschen IXS Cup Rennen fahren und eventuell noch einige Freeride Rennen wie Trailmaster und Trailfox, Megavalance. Ach ja – und dann geht es eventuell noch mit Elmar Keineke zur Weltmeisterschaft der Masterfahrer nach Brasilien. Da steht die Planung aber noch aus.
Generell sind meine Ziele: Gewinnen,viiiiiel Spaß haben und immer ein Grinsen im Gesicht und im Herzen. Die Reihenfolge dieser Ziele ist willkürlich.
Wie hat sich das Thema Frauen und MTB/Downhill deiner Meinung nach verändert in den letzten Jahren: was gefällt dir und was muss noch besser gemacht werden?
Es gibt mittlerweile wirklich viel mehr Frauen in diesem Sport - jippie!!! Ich finde das klasse. Warum das so ist, da könnte ich jetzt lange spekulieren. Aus meiner Sicht sind die Grundbedingungen und die Akzeptanz dieser Sportart für Frauen geschaffen, jetzt heisst es nur noch: Mädels rauf aufs Rad! Es macht sooo viel Spaß, es gibt mittlerweile viele tolle Bikeparks mit super Strecken und es gibt überall Wald mit tollen Strecken in dem man fahren kann.
Du bist viel international unterwegs. Gibt es da ein Land an dem wir uns ein Beispiel nehmen könnten?
Also Frankreich ist ein Land, wo sehr viel für den Radsport getan wird. Egal ob Rennrad oder der Extremsport Downhill. Die Nation fördert und unterstützt jeden Radsport und die Medien berichten viel, und gerade Medienberichte sind immer wichtig für einen Sport. Ich finde aber, dass wir auch auf dem richtigen Weg sind. Der Freeride Sport wird immer populärer es gibt viel mehr Bikeparks. Und Skigebiete satteln um auf den „Sommer Sport" das Biken nämlich. Und dann gibt es noch wahsinnig viele Termine um DH Races zu fahren, was wollen wir mehr!!
Gibt es noch etwas das dir auf dem Herzen liegt, was du uns mit auf den Weg geben willst?
Wie schon gesagt kann ich nur alle Mädels und natürlich auch Jungs aufrufen: Rauf auf’s Rad und ab in den Wald, egal wo, egal was. Hauptsache bewegen und die frische Luft und die geile Landschaft aufnehmen, sowie den Schrill und das Adrenalin beim Runterheizen!!!So spürt man das Leben.... ole ole...
Streckbrief
Name: Kramer Antje
Weitere Sportarten/Hobbies: Snowboard,Ski
fahren,Surfen, Fitnessstudio, Joggen, Kanu,
Größten Erfolge: 7-fache Deutsche Meisterin, 8. Platz
Weltcup, 7.Platz EM, Gesamtsieg Bundesliga, 4.
Gesamtsieg German IXS CUP
Bike: Giant Glory, Giant Reign,Giant STP, Giant Cypher,
Giant Rennrad
Sponsoren: Giant, Sram, Oneal, Schwalbe, Veltec,
Adidas, Cranbrothers, Amsport, RSP, Ortema, Bikepark
Winterberg,
Homepage: www.antje-kramer.de
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