MTB Freeride

Story: Unterwegs mit der „The Cleg“ Scheibenbremse - erster Erfahrungsbericht!

Jeder kennt es und jeder hasst es - noch mal kurz das Bike checken und als man voller Vorfreude losziehen will – Mist kein Druckpunkt, die Bremse fühlt sich einfach matschig an und die Laune rutsch in den Keller.

Eure Bewertung:
Story: Unterwegs mit der „The Cleg“ Scheibenbremse - erster Erfahrungsbericht!

Dieses Vergnügen hatte ich das letzte Mal (und nicht das erste Mal) diesen Sommer in Finale Ligure. Zu Hause das Wohnmobil gepackt und alles war noch bestens. Doch als wir am Ziel der Träume sind und ich das Bike zusammenschraube, funktioniert nichts mehr, die Bremse zieht zu, der Bremshebel hängt fest und nichts geht mehr.
Den Rest erspare ich euch lieber, an dieser Stelle aber noch 1000 mal Danke an Tiziano vom GoodBike Shop am Shuttle Base von Finale Ligure Freeride, der den CODE geknackt hat. Ohne ihn hätte ich mir wohl gleich eine neue Bremse zulegen müssen, um unsere 2 Wochen Roadtrip zu überstehen.

Für mich stand jedenfalls fest: ich brauche eine neue Bremse!

Also ab zum heimischen Bremsenspezialist Trickstuff in Freiburg mit der Bitte, die als High End Bremse bekannte CNC-gefräste „Cleg“ testen zu dürfen. Also verabredeten Trickstuff-Arne und ich uns nach der Eurobike, um das gute Stück an mein Bike zu schrauben. Am nächsten Weekend ging es dann erst mal ab nach Lac Blanc, um dem guten Stück mal auf den Zahn zu fühlen.

Zunächst einmal zum Material:

Die Bremse, das sieht man auf den ersten Blick, ist komplett aus CNC Teilen gefertigt und hat ein wirklich sehr edles Finish. Lieferbar sind verschiedene Farben, die auf Wunsch auch individuell zusammengestellt werden können. Empfindliche Plastikteile sind weit und breit keine zu sehen.
Das ganze zieht sich durch das gesamte Bremssystem vom Hebel bis zum Bremssattel. Und als Extra gibt es noch die ummantelte Stahlflex-Bremsleitung von Goodridge dazu (in vielen Farben erhältlich und ab sofort auch in gelb, orange und british racing green).
Die Power bezieht die Bremse aus ihrem steifen Vier-Kolben-System und der Stahlflex-Bremsleitung, die den Druckpunkt auch bei Hitze konstant halten sollen.



Eine wirklich sehr sinnvolle Sollbruchstelle befindet sich an der Bremshebel-Schelle, die den Bremshebel am Lenker fixiert. Im Fall der Fälle bricht diese, und es wird nicht gleich die ganze Bremse in Mitleidenschaft gezogen. Sollte diese Sollbruchstelle mal brechen und man hat keine zweite Schelle zur Hand, kann man auch ganz einfach die Bremse via Kabelbinder wieder an den Lenker zurren (die Schrauben zur Klemmenbefestigung sind durchgehend, und so kann man hier den Kabelbinder einfach durchführen).

Und nun zur Montage:

Arne hat mir eine metallicrote Bremse mit einer 180 mm Scheibe am Heck  inkl. Direktaufnahme ohne Adapter montiert (optional sind natürlich auch 200 mm möglich). An der Front befindet sich ein schwarzer Bremssattel mit einer 200 mm Scheibe. Die Bremshebel sind auch in Rot gehalten, mit brandneuem Deckeldesign und roten Klemmen ausgestattet.

Am nächsten Tag kommen wir im Bikepark an und das Wetter ist zunächst etwas bedeckt mit leichtem Nieselregen und schön rutschigem Untergrund (wurde aber noch besser und trocken). Ich war sehr gespannt, wie sich die Bremse fahren wird und in wiefern man die Unterschiede zur alten Bremsanlage spüren würde.



Eine Bremse zu montieren, ist nun wirklich kein Hexenwerk, aber ich muss schon sagen, dass alle Teile sehr hochwertig wirken. Ruck zuck ist auch die Bremsleitung gekürzt und das Bike ist fit für den Bikeparkeinsatz am nächsten Tag.

Zunächst war ich etwas skeptisch, da es keine Verstellmöglichkeit für den Leerweg oder ähnliches gibt. Von der alten Bremse war ich es gewohnt, ab und zu den Druckpunkt nachjustieren zu müssen sobald die Bremse heiß wird. Zudem war ich gespannt, wie sich die 180 mm Scheibe am Hinterrad verhält und ob diese schnell heiß wird und den Druckpunkt wandern lässt.
Als einzige Verstellmöglichkeit lässt sich die Griffweite mittels Madenschraube justieren. Dies funktioniert auch einwandfrei.



Also los geht es:

Im Park ist noch nichts los. Nach den ersten zwei Fahrten ist die Bremse gut eingebremst und hat einen sehr guten knackigen Druckpunkt.
Ich war erstaunt, wie schnell ich mich an das Bremsverhalten gewöhnt habe. Meine alte Bremse, die (wenn sie funktioniert hat) auch wirklich gut zu fahren ist, hat einen viel weicheren Druckpunkt, der zwar auch gut zupackt, aber mehr Kraft erfordert. Ich würde das Ganze jetzt mal mit einem harten Sportgetriebe in einem Sportwagen vergleichen. Das Getriebe ist zwar hart, schaltet sich aber viel sportlicher und präziser. Dazu muss man sagen, dass ich an diesem Tag die Performance „RSR“ Race-Beläge eingebaut hatte. Laut Arne sind die anderen Beläge Performance „S“ etwas weicher, was sich dann auch ein bisschen auf die Härte des Druckpunktes auswirkt. Auch das werde ich natürlich noch für euch testen.

So, und jetzt noch mal zur Sollbruchstelle welche ich – selbstredend unfreiwillig – getestet habe. Wie gesagt war es anfangs etwas feucht, und mir ist der Vorderreifen abgeschmiert, so dass ich mit Vollgas ab über den Lenker gesegelt bin. Als ich mich ausgeschüttelt hatte musste ich feststellen, dass mein Bike auch nicht gerade sanft im Rockgarden gelandet ist und die Sollbruchstelle ihren Job erfüllt hat. Die Bremse war also heil und ich konnte mir mit zwei Kabelbindern behelfen. Unten angekommen hat mir Arne dann eine neue Schelle verpasst (die Kabelbinder tun es allerdings auch). Ein Kollege hat sich zwei Wochen zuvor auf ähnliche Weise seine Bremse zerstört, was mit so einer Sollbruchstelle zu vermeiden gewesen wäre.



Ansonsten wäre zu sagen, dass die Bremse den ganzen Bikeparktag (mindestens 12 Abfahren à 300 Höhenmeter) tadellos funktioniert hat und der Druckpunkt die ganze Zeit wirklich optimal war. Lediglich die Madenschrauben für die Griffweitenverstellung ist etwas gewandert, was aber mit ein bisschen Schraubenkleber (wie bei allen Bremsen) leicht zu beheben sein sollte. Sollte dies wider Erwarten nicht so sein, lasse ich es euch im nächsten Testpart wissen.

Soviel zum Test im Bikepark !

Da wir natürlich auch wissen wollten, was das Gute Stück im alpinen Einsatz kann, sind wir ins schöne Zillertal gefahren. Hier wollen wir testen, wie sie mit langen Abfahrten und weit über 1000 Höhenmeter Abfahrten klar kommt. Also ab in den ersten Trail, der gleich einmal alles von der Bremse abverlangt. Geröll Wurzelteppich und Almwiesen mit Vollgas. Und die Cleg hält auch hier alles was Sie verspricht. Der Druckpunkt bleibt die ganze Zeit konstant und unverändert.



Der nächste Trail schlängelt sich über 1600 Höhenmeter ins Tal und hat im Gegenteil zum ersten Trail wesentlich mehr Flow und endlos lange schnelle Traum-Passagen. Auch hier macht die Bremse wirklich Spaß und man benötigt kaum Kraft für ein jederzeit einwandfreies Bremsverhalten.
Also kann ich nun auch hier bestätigen, dass die Bremse den ganzen Tag mit über 3600 Höhenmeter jederzeit absolut problemfrei funktioniert hat. Lediglich die Vorderbremse hat teilweiße etwas gequietscht was das Bremsverhalten jedoch nicht beeinflusst hat.

Ich werde die Bremse jetzt noch dem Langzeittest unterziehen und natürlich auch noch die verschiedenen Bremsbeläge für euch ausprobieren.

Ich hoffe der erste Testpart war für euch aufschlussreich!
Falls ihr hierzu noch Fragen habt – einfach einen Kommentar posten.

Bis dahin
Timo

Technische Daten vom Hersteller:

  • Vollhydraulische Vier-Kolben-Festsattelbremse (2 unterschiedliche Kolbendurchmesser).
  • Offenes System mit automatischer Belagnachstellung.
  • Ausgleichsbehälter vollständig im Bremsgriff integriert.
  • Ergonomischer Zwei-Finger Bremshebel mit einstellbarer Griffweite, auf Teflonbuchse spielfrei gelagert.
  • Medium: DOT 5.1 Bremsflüssigkeit
  • Problemlos kürzbare Stahlflexleitung (ummantelt).
  • Gelochte Stahlscheibe mit 200 Millimeter (Vorderrad).
  • Werkstoff: wärmebehandeltes Aluminium 7075, CNC-gefräst.
  • Alle Oberflächen korossionsbeständig beschichtet.
  • Einsatzbereich: Downhill, Hardcore-Freeride, Bikepark-Sessions und schwere Fahrer

Gewicht der Bremse ist 331gramm ohne Scheibe (200mm = 175gr, 180mm = 155gr)
Damit wohl die leichteste Vier-Kolben-Bremse auf dem Markt

Lieferzustand: 
1 Bremse (Bremssattel, Bremsgriff, Leitung und Scheibe) montagefertig befüllt und entlüftet. Auf Wunsch werden die Bremsen mit auf Maß gekürzten Leitungen ausgeliefert. Im Lieferumfang sind alle zur Montage notwendigen Kleinteile (Schrauben, Unterlegscheiben, etc.) enthalten.

Empf. VK: EUR 320,-

Hier gehts zur Website von > Trickstuff

Gero Deibert
super isser geworden der bericht! bin gespannt wie sich die gute auf dauer verhält...
felger
hört sich ja gut an. das set kostet aber ~600 wenn ich richtig informiert bin. schon ein stolzer preis.

gibts die eigentlich auch mal als PM?
Trickstuff
Hi Felger,

die vordere Bremse im Test ist ja eine PM!
Die gibt’s natürlich auch ganz normal zu kaufen. Hinten ist die IS Variante etwas schicker da man keine zusätzlichen Adapter braucht, aber natürlich kann man auch hinten einen PM Bremssattel haben.

Ja der Preis ist 320€ pro Bremse. Dafür bekommst du auch 100% Deutsche Handwerkskunst! Bei uns wird jede einzelne Bremse nach Kundenwunsch aufgebaut, du kannst dir also jedes Teil farblich aussuchen und völlig frei kombinieren.
Eine persönlichere Bremse wird’s wohl nirgends geben.

Grüße
Arne
izi-moto
schaut geil aus-ansonsten die hintere scheibe ist umzudrehen (ist gerade falsch montiert;)
Timo Galizia
Hi izi-moto,

ja finde auch das Sie echt gut ausschaut.

Hab auch schon festgestellt das Sie falsch montiert ist ... sollte aber nicht wirklich viel ausmachen.
Für den Rest des Testes werde ich Sie natürlich noch umbauen ;-).

Grüße
Timo
jerry bike
super beitrag. sehr interessant. wohl ein bremse für alle fälle...
grüße jerry
Thomas Dietz
Habe das Problem bei der Cleg, dass ich immer wieder Luft im System habe! Laut 2Radmeister liegt das an der Konstruktion, das Ding lässt sich anscheinend nicht sauber entlüften!

Gibt es da einen Trick?

Grüße

Thomas
Timo Galizia
Hi,

ich hatte dass selbe Problem auch einmal!

Allerdings hat Tr!ckstuff mir die Bremse neu entlüftet und dann war sie wieder in Ordnung.

Also wird es wohl einen Trick geben;-)

Am besten du wendest dich an Tr!ckstuff ... die können dir sicher helfen!

Grüße
Timo

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